Ein Welpe zieht ein! Was nun?!
Die Entscheidung, einen Welpen in die eigene Familie oder den eigenen Haushalt aufzunehmen, ist ein riesiger Schritt! So ein Schritt will gut überlegt und der Einzug gut vorbereitet sein.
Wir haben heute Zugang zu so vielen Informationen, wie wir wollen. Das Internet ist voll mit Ratgebern, mit Social-Media-Posts für die perfekte Leinenführigkeit oder den 100-prozentigen Rückruf. Überall hört man: Das muss dein Welpe lernen, das darfst du niemals tun oder das musst du unbedingt beachten…
Viele Informationen sind toll, aber viele Informationen überfordern auch sehr leicht. Es fehlt oft der rote Faden; statt Freude kommt Stress beim Menschen auf. Gerade Social Media verleitet uns dazu, uns zu vergleichen, verleitet zu Perfektionismus und setzt uns unglaublich unter Druck.
Deshalb kommt jetzt mein Tipp als Hundetrainer in Köln und Hundehalter, der schon viele Welpen begleitet hat – und er wird dich überraschen:
Habt Spaß zusammen und lernt euch kennen!
Ganz weg vom gewohnten „Hundetrainersprech“ – aber wer will sein Leben schon mit einem Trainer verbringen? Wir wollen unser Leben mit Individuen verbringen, mit Partnern, die wir schätzen und die uns schätzen und respektieren, denen wir vertrauen. Und genau das wollen unsere Hunde auch.
Ja, die Erkenntnisse aus dem modernen Hundetraining sind richtig und wichtig. Es gibt Techniken und Regeln, die uns und unserem Welpen helfen, und darauf gehe ich später auch noch ein. Aber gehen wir zu verkopft an das Zusammensein ran, dann verpassen wir eine unglaublich tolle Zeit und die Gelegenheit, eine echte, tiefe Verbindung und Beziehung mit unserem Welpen zu schaffen.
Die Welpenzeit ist faszinierend und wunderschön, so anstrengend sie zwischendurch auch sein kann. Wir haben dort ein kleines Wesen, das die Welt zum ersten Mal erlebt, das neugierig ist und ehrlich genießt. Davon können wir lernen. Wir können selbst die Welt noch einmal mit neuen Augen sehen und die Wunder erblicken, die wir sonst gar nicht mehr wahrnehmen: wie viel Spaß es macht, über einen Baumstamm zu steigen, wie toll eine Pfütze ist oder auch wie aufregend die Kölner Innenstadt sein kann.
Wir zeigen unserem Welpen die Welt und wir erklären ihm, wie sie funktioniert. Damit stellen wir die Weichen dafür, wie unser Welpe die Welt auch später wahrnimmt. Zeigen wir ihm, dass die Welt ein toller Ort ist, dann haben wir einen selbstbewussten Partner, der sein Leben gerne mit uns verbringt.
Und vergesst Perfektion. Das Leben ist nicht perfekt und soll es auch gar nicht sein. Etwas, was mich immer beruhigt: Wir wissen so viel und tun so viel für unsere Hunde, aber Hunde begleiten den Menschen schon seit Jahrtausenden. Seit Jahrtausenden werden sie bei Menschen groß, oft ohne dass ihre Halter je ein Hundebuch gelesen haben. Hunde verzeihen Fehler!
Soviel zum Hund, jetzt zu dir!
Denn das geht oft unter: Du solltest dich weiterhin um dich kümmern. Dein Leben geht weiter, und auch das ist gut so. Welpen brauchen viel Ruhe und Schlaf – viel mehr als wir Menschen. Für deinen Welpen wäre es gar nicht gut, wenn du dich nur um ihn kümmerst. Das würde ihn total überfordern, was dann oft unbemerkt bleibt, denn viele Welpen kennen ihre eigenen Grenzen nicht. Sie reagieren dann wie ein ständig übermüdetes Kleinkind und werden hyperaktiv. Dann brauchen sie nicht mehr Beschäftigung, sondern weniger.
Hunde sind im Gegensatz zu uns Menschen Nesthocker. Während Affen ihre Jungtiere in den ersten Monaten immer bei sich tragen, bleiben Wolfs- und Hundewelpen im Bau oder dessen Umgebung, während das Rudel sich um das Fressen kümmert.
Dem Welpen seine Ruhe zu lassen, geht also ganz gegen unsere Intuition, und deshalb fällt es wohl vielen Menschen so schwer. Das heißt nicht, dass ihr einfach für Stunden aus dem Haus gehen sollt und euren Hund alleine lasst. Aber im Haus oder in der Wohnung macht einfach mal euren Alltag, während der Welpe seine Ruhe hat.
Neben der Ruhe für den Welpen bringt das auch euch neue Kraft. Dein Welpe hat nichts davon, wenn du ständig bei ihm bist, aber dabei müde und unglücklich, weil du dich nicht mehr um dich selber kümmern kannst. So erreichst du gleich zwei Ziele auf einmal.
Du darfst absolut auf deinen Welpen eingehen, wenn er dich anspricht und du gerade Lust dazu hast. Genauso darfst und sollst du ihm aber auch sagen, dass du gerade nicht willst oder was anderes zu tun hast.
Direkte Tipps für den Alltag
Und jetzt geht’s an die direkten Tipps. Als Erstes wieder etwas, was im klassischen Hundetraining oft anders empfohlen wird: Lass deinen Welpen mit ins Bett! Natürlich ist das Geschmackssache, und wenn du es wirklich nicht willst, ist das absolut in Ordnung.
Es hat aber große Vorteile, wenn du ihn mitnimmst. Dein Welpe ist es gewohnt, bei seinen Geschwistern und seiner Mutter zu schlafen. Sie liegen gemeinsam mit Körperkontakt – das gibt Sicherheit, fördert die Bindung und verbessert seinen Schlaf. Das alles reduziert den Hintergrund Stress und erleichtert den Umzug – nicht nur ihm, sondern auch dir. Ein Welpe mit besserem Schlaf kann auch tagsüber besser lernen, besser auf Signale reagieren und ist einfach umgänglicher.
Ja, ich gebe zu: Wenn du es später nicht mehr willst, musst du es ihm irgendwann wieder abgewöhnen und in die Diskussion mit ihm treten – zumindest, wenn er nicht ohnehin von alleine damit aufhört. Viele Hunde wollen als Erwachsene nämlich gar nicht mehr im Bett schlafen, sondern wollen selbst etwas Abstand. Aber selbst wenn ihr diskutieren müsst: Dann ist zwar eine Zeit lang mehr Konsequenz gefragt, aber die Vorteile in der Anfangszeit überwiegen für mich klar. Außerdem merkst du vielleicht, dass du es gar nicht mehr ändern möchtest, denn ein Hund im Bett ist meiner Meinung nach etwas Wundervolles.
Abgesehen von den Vorteilen für die Nerven erleichtert das gemeinsame Schlafen auch das Stubenreinheitstraining, denn du merkst einfach, wenn der Kleine unruhig wird. Du kannst sofort mit ihm rausgehen, damit er sein Geschäft verrichten kann – ganz natürlich, ohne Wecker und ohne Druck.
Stubenreinheit ist reine Gewohnheitssache. Nimm ganz schnell Abstand von alten Methoden, die den Hund für ein Missgeschick in der Wohnung strafen! Das kann der Kleine nicht verknüpfen und es führt nur zu Stress. Bring ihn einfach regelmäßig nach draußen. Anfangs alle 2 bis 3 Stunden. Du findest sehr schnell heraus, wie sich der Kleine benimmt, kurz bevor er mal muss.
Egal wie gut du dich bemühst, es wird sicher mal etwas daneben gehen. Das ist kein Drama, einfach kommentarlos wegmachen. Je seltener es passiert, desto leichter lernt dein Welpe, nur noch draußen zu machen. Die meisten wollen ab einem gewissen Zeitpunkt ohnehin nicht mehr in ihr Kernrevier – eure Wohnung – pinkeln.
Sozialisierung und Umwelteindrücke
Dein Welpe sollte kennenlernen, was ihm im späteren Leben begegnen wird: Stadt, Auto, Bahn, Menschen, Kühe, Pferde. In dieser Anfangszeit fällt es ihm leichter zu lernen, dass all das nicht gefährlich ist. Aber überfordere ihn nicht. Nicht jeden Tag ein neuer Ort; lass ihm Zeit zum Regenerieren.
Dein Welpe sollte den Umgang mit anderen Hunden lernen. Damit meine ich nicht nur Welpen. Mindestens genauso wichtig ist der Umgang mit erwachsenen Hunden. Andere Welpen sind toll zum Toben, aber sie wissen oft selbst noch nicht, wie die Kommunikation unter Hunden richtig funktioniert. Das können sie von souveränen erwachsenen Hunden viel besser lernen.
Ein guter Kontakt sollte nicht rein aus Toben bestehen. Gerade die Phasen zwischen dem Spielen sind wichtig! Bei den Welpen untereinander und eben auch mit ausgewachsenen Hunden. Gerade die, die gar nicht mit dem Welpen spielen wollen, sind Hunde, von denen dein Welpe unglaublich profitieren kann. Hier lernt er Kommunikation in Ruhe, ganz ohne Action.
Ruhe ist ohnehin ein wichtiges Thema. Welpen sollten Ruhe lernen – erst zu Hause, dann aber auch draußen: im Park, an der Straße oder in Gegenwart anderer Hunde. Bau die Schwierigkeit langsam auf.
Wie genau du das erreichst, ist von Hund zu Hund verschieden und zu komplex, um das hier zu klären. Dafür kommst du am besten in meine Welpengruppe in Köln. 😉
Nah am Thema Ruhe ist auch die Frustrationstoleranz. Dein Welpe muss lernen, damit umzugehen, wenn er mal nicht das bekommt, was er möchte. Und ja, da muss er auch ein klar formuliertes „Nein“ kennenlernen. Das soll nicht hart sein, aber verständlich und konsequent angewandt. Grenzen zu setzen ist wichtig, um Ruhe zu lernen. Es gibt deinem Hund Sicherheit und einen Rahmen, in dem er sich entfalten kann. Wie du das „Nein“ richtig aufbaust, ist wieder ein Thema für meine Hundeschule.
Es ist nicht wichtig, ob dein Welpe möglichst schnell alle Grundkommandos kann. Wichtig ist, dass er „Lernen lernt“. Dass ihr beide lernt, wie der Kleine lernt. Ich probe dabei gerne an Signalen, die ich im Alltag nicht brauche, bevor ich an die wirklich wichtigen Dinge gehe. Wenn dein Welpe erst einmal gelernt hat, wie Lernen funktioniert, ist es später nicht schwer, ihm alle nötigen (und unnötigen) Kommandos beizubringen.
Das war’s – einmal ein etwas anderer Artikel über Welpenerziehung. Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig die Angst nehmen. Zum Schluss noch ein letzter Satz: Es gibt viele Wege zum Ziel. Du musst den Weg finden, der für dich und deinen Welpen passt. Fühlt sich ein Tipp für dich gut an? Dann ist das ein gutes Zeichen. Dein Hund wird dir ohnehin nicht glauben, wenn du nicht hinter der Methode stehst, die du anwendest. Vertraue dir selbst und deinem Bauchgefühlt!
11.03.2026
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