Warum eine gute Welpengruppe Gold wert ist – und eine schlechte gefährlich

Warum eine gute Welpengruppe Gold wert ist – und eine schlechte gefährlich

Ein aufmerksamer dunkelbrauner Welpe mit blauen Augen schaut im Wald konzentriert nach oben.

Es ist besser, gar keine Welpengruppe zu besuchen, als eine schlechte zu erwischen! Die Welpenzeit ist eine unglaublich wichtige Zeit! Der Welpe macht seine ersten Erfahrungen in dieser Welt, er saugt alle Informationen auf wie ein Schwamm. Diese Zeit kann wegweisend dafür sein, wie das Zusammenleben mit dem kleinen Freund in Zukunft sein wird. Es können wichtige Weichen gestellt werden für ein harmonisches Miteinander in der neuen Familie und im Alltag.

Wie kleine Kinder auch lernen Welpen in der frühen Zeit, wie die Welt funktioniert, wie soziale Regeln funktionieren und wie Kommunikation geht – mit anderen Hunden, aber auch mit dem Menschen. Als Welpe sind alle diese Dinge leichter zu lernen als später. Es geht zwar auch das meiste noch später im Leben nachzuholen, nur leider mit viel mehr Aufwand.

Sozialisation und echte Erfahrungen

Im Großen und Ganzen wird der Vorgang in dieser Zeit meist als Sozialisation bezeichnet. Damit diese Welpensozialisation richtig genutzt werden kann, braucht es Erfahrungen. Es braucht Kontakte zu anderen Hunden und es braucht Menschen, die ebenso lernen, sich mit dem kleinen Lebewesen zu verständigen und ihm gerecht zu werden, die eine gute Beziehung zu ihm aufbauen.

Da ist eine Welpengruppe ja eigentlich genau das Richtige, was man braucht: Dort trifft der Welpe andere Welpen, dort sollte der Mensch eine Ansprechperson haben, die erklärt, was der kleine Welpe denn sagen möchte, was so ein Welpe eigentlich braucht, wie Hundetraining und vor allem Hundeerziehung funktionieren können und den Hundehalter:innen Sicherheit geben! Und wenn es so läuft, dann ist eine Welpengruppe auch wirklich Gold wert!

Wenn es nach hinten losgeht

Leider kann man aber auch ziemlich heftig daneben greifen und dann kann das ganze Unterfangen nach hinten losgehen. Denn so schnell wie die Welpen gute, wichtige Dinge lernen, können sie auch genauso schnell und nachhaltig die falschen Dinge lernen, und das kann später zu unglaublichen Problemen führen.

Zum Glück werden die klassischen Welpenspielgruppen immer weniger, in denen eine große Anzahl an Welpen einfach zusammengebracht wird und diese dann weitgehend sich selbst überlassen werden – nach dem Motto: „Die müssen da durch und sollen lernen, das selbst zu regeln.“ Solche Gruppen waren früher Standard. Leider lernen Welpen in solchen Gruppen oft einfach ganz viel Mist!

Ruhe als wichtigstes Kriterium

Bei allem Spaß ist soziale Interaktion etwas Aufregendes, etwas Schwieriges und Anstrengendes. Werden die Welpen in der Gruppe direkt zueinander gelassen, sobald sie auf dem Platz sind, dann lernen sie vor allem erst mal eins: Andere Hunde sind gleich Stress und Aufregung. Im späteren Alltag sollen sie aber, wenn sie Hunde sehen, ruhig bleiben und im besten Fall weiterhin entspannt an der Leine gehen. Die direkte Aufregung ist also schon kontraproduktiv für ihr sonstiges Alltagsleben.

Ein ganz wichtiger Part sollte deshalb in jeder Hundeschule sein, dass die Welpen erst mal lernen, nicht direkt zueinander zu laufen, dass sie lernen, in Anwesenheit anderer Hunde Ruhe zu bewahren und zu entspannen. Das ist schon mal das erste Kriterium, auf das ihr achten solltet. Wenn diese Ruhe dann gefunden ist, dann sollte auch die Kooperation mit dem Menschen geübt werden – auch das in Anwesenheit anderer Hunde, ohne mit ihnen direkt in Kontakt zu treten.

In diesen Trainingseinheiten ist es gar nicht so wichtig, was gelernt wird. Es ist wichtig, dass das Lernen selber gelernt wird. Einem Hund das Kommando „Sitz“ beizubringen, ist nicht schwer, sobald er gelernt hat zuzuhören und sich zu konzentrieren – das ist wichtig.

Was der Mensch in der Welpenschule lernt

Was außerdem wichtig ist, ist das, was der Mensch in diesen Einheiten lernt. Der Mensch soll lernen, wie er seinem Hund etwas beibringen kann, wie er mit seinem Hund kommunizieren kann. Sowohl körpersprachlich als auch mit Kommandos. Wie er Regeln und Grenzen im Alltag sinnvoll umsetzen kann und wie er seinen Hund belohnen kann.

Und dann ist wichtig, dass ganz viel Zeit für Fragen ist. Die Welpenzeit ist zu vielseitig, um einfach einen frontalen Unterricht zu machen. Jedes Team bringt seine eigenen Themen mit und diese sollen auch gelöst werden, damit jeder auf seinen Alltag richtig eingestellt ist.

Moderation statt „selber regeln“

Ist das sichergestellt, dann kommt der Kontakt zu den anderen Welpen. Dieser ist natürlich total wichtig. Es heißt aber nicht: „Die Welpen müssen da durch und regeln das schon unter sich.“ Keiner der Welpen weiß zu diesem Zeitpunkt, wie das Miteinander funktioniert – wer soll da also von wem lernen? Ursprünglich lernen Hunde das Miteinander von ihren erwachsenen Eltern und Verwandten. Diese fehlen meist in der Welpengruppe, also müssen die Menschen für die Moderation sorgen. Der Mensch ist dafür da, einzugreifen, wenn es nötig ist, aber die Welpen auch austesten zu lassen, da wo es konstruktiv ist.

Die Welpen sollen auf der einen Seite eine Selbstwirksamkeit lernen und auf der anderen Seite auch wissen, dass der Mensch ihnen Schutz gibt, wenn es drauf ankommt. Dabei sollte der:die Hundetrainer:in Wert darauf legen, den Menschen zu erklären, was schönes und was nicht so schönes Sozialverhalten ist. Er:Sie sollte den Menschen die Körpersprache aktiv erklären und ihnen zeigen, wie und wann sie eingreifen sollen.

Welpen sollen natürlich die Chance bekommen, auch mal Konflikte auszutragen, auch das gehört zur Entwicklung dazu. Solange alles im Gleichgewicht bleibt, keiner übertreibt und alles auf Augenhöhe stattfindet, ist das super. Ohne Moderation entsteht aber oft ein Ungleichgewicht: Einer ist überlegen, gewinnt immer und lernt daraus, sich zum Raufer zu entwickeln, was im Späteren sehr unangenehm werden kann. Der andere lernt, dass Sozialkontakt beängstigend ist, seine Grenzen nicht respektiert werden – und das kann mindestens genauso unangenehm werden in der Zukunft. Außerdem geht das Vertrauen in den Menschen verloren, der dabei ist und seinem Welpen nicht hilft.

Die richtige Gruppengröße

Damit dieses Maß der Zuwendung wirklich gegeben sein kann, müssen Welpengruppen klein sein! Nur so kann genug Zeit bleiben, sich um jedes Team individuell zu kümmern, alle Fragen zu beantworten und auch alle Sozialkontakte zu moderieren. Ich persönlich bevorzuge in meiner Hundeschule in Köln eine Gruppengröße von 4 Welpen, bis zu 6 finde ich aber vertretbar und möglich zu managen. Alles darüber hinaus fällt für mich direkt raus. Abgesehen davon, dass nicht mehr genug Zeit bleibt, sich um alle Teams angemessen zu kümmern, sind die Welpen mit mehr Hunden auch einfach überfordert.

Das Argument für mehr Hunde ist oft, dass die Welpen mit allen möglichen Formen, Rassen und Größen in Kontakt kommen sollen, und da ist auch etwas dran – aber das kann in einer Welpengruppe gar nicht abgedeckt werden. In der Welpengruppe sollt ihr fit gemacht werden für den Alltag, fit gemacht werden, euren Welpen im Alltag richtig zu sozialisieren. Bei mir gibt es neben der Welpengruppe auch noch den Puppy Walk im Angebot, wo wir uns abseits vom Platz auf einem Spaziergang noch mal mehr um die Sozialisation kümmern. Darüber mehr im nächsten Blogbeitrag.

Informiert euch frühzeitig über Welpengruppen in eurer Nähe. Oft dürft ihr mal zum Zugucken vorbeikommen, ansonsten bekommt ihr aber ganz sicher auch schon viele Informationen im Gespräch mit den Hundetrainer:innen vor Ort. Achtet auf kleine Gruppengrößen und ganz viel Ruhe in der Hundeerziehung. Oder ihr kommt natürlich direkt zu meiner Welpengruppe in Köln 😉

31.03.2026

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