https://helges-hundehuette.de/fokus-farm-adhs-therapiehof/Ist die Haltung von Hunden für mich als vegan lebender Mensch überhaupt vertretbar?
Das ist eine Frage, mit der ich mich tatsächlich auch schon auseinandergesetzt habe, bevor ich komplett vegan geworden bin, aber seitdem natürlich noch mehr in den Fokus gerückt ist.
Das klingt für einen Hundetrainer erstmal nach einer drastischen Frage, und das ist es auch, denn es stellt einen Großteil meines Lebensinhaltes in Frage. Glücklicherweise kann ich sagen: Ja, ich komme zu dem Schluss, dass die Haltung von und das Zusammenleben mit Hunden für mich absolut vertretbar ist – mit meinen ethischen Einstellungen. Nicht jeder muss da zum gleichen Schluss kommen wie ich; ich möchte hier aber meine Gedanken dazu teilen: zur Hundehaltung allgemein und auch zu der in dem Fall kontrovers diskutierten Frage, ob auch Zucht oder nur Tierschutz seine Berechtigung hat.
Die Vegane Gesellschaft definiert Veganismus wie folgt:
„Veganismus ist eine Lebensweise, die versucht – so weit, wie es praktisch durchführbar ist – alle Formen von Ausbeutung und Grausamkeiten an leidensfähigen Tieren für Essen, Kleidung und andere Zwecke zu vermeiden; und die in weiterer Folge die Entwicklung und Verwendung von tierfreien Alternativen zugunsten von Mensch, Tier und Umwelt fördert. In Bezug auf die Ernährung bedeutet dies den Verzicht auf alle Produkte, die zur Gänze oder teilweise von Tieren gewonnen werden.“
Ein wichtiger Aspekt, den viele Nicht-Veganer gerne außer Acht lassen, ist der Aspekt des praktisch Durchführbaren. Ein 100-prozentiger Verzicht ist in unserer Welt gar nicht möglich. Darum geht es aber auch nicht, sondern eben nur so weit wie möglich. Das spielt in dem Punkt der Hundehaltung erstmal keine Rolle, es ist nur etwas, was mich immer wieder aufregt in Diskussionen über Veganismus.
Hundehaltung: Ausbeutung oder Partnerschaft?
Bei der Hundehaltung kommt es auf den Kernaspekt an: die Ausbeutung und Grausamkeit an leidensfähigen Tieren.
Ist Hundehaltung Ausbeutung?
Man kann hier argumentieren, dass das Halten von Tieren immer dem Zweck dient, dass diese für den Menschen einen Nutzen haben sollen, und dass dies damit Ausbeutung ist. Dass die Tiere für den Menschen einen Nutzen haben, wenn sie gehalten werden, ist auch vollkommen richtig. Abgesehen von den Arbeitshunden, die einen richtigen Job haben, sind auch einfache Familienhunde dazu da, dem Menschen ein soziales Bedürfnis zu erfüllen. Sie dienen einem emotionalen Zweck für ihren Menschen.
Ist das dann aber direkt Ausbeutung? Für mich persönlich gehört zur Ausbeutung mehr als das. Unter Ausbeutung verstehe ich ein Verhältnis, bei dem der eine Part sehr viel mehr hat als der andere Part und somit ein Part unter dem Verhältnis leidet und der andere profitiert. Das ist für mich bei guter Hundehaltung nicht gegeben.
Coevolution von Mensch und Hund
Der Hund begleitet uns bereits die gesamte Menschheitsgeschichte. Im Gegensatz zu anderen Haustieren wie Kühen, Schweinen etc. wurde der Hund nicht vom Menschen gezielt domestiziert, sondern die beiden Spezies durchliefen eine Coevolution. (Ja, wissenschaftlich gesehen durchlief der Hund durchaus Domestikationsprozesse, aber mir geht es hier um den Ablauf, wie das Ganze passierte.) Damals näherte sich der Wolf aus eigenem Antrieb dem Menschen an und passte sich an diese neuen Bedingungen an. Dadurch entstand der Hund.
Es gibt Spekulationen, dass der Mensch ohne den Hund nie so erfolgreich geworden wäre, und auch der Hund hat sich dank dieser Partnerschaft auf einem Großteil der Erde verbreiten können. Diese Partnerschaft hat dazu geführt, dass beide Spezies zu den erfolgreichsten unseres Planeten wurden.
Das Ganze begann vor 15.000 bis 40.000 Jahren oder sogar noch früher – das ist bis heute nicht ganz geklärt. Dadurch entstand eine Spezies, deren natürlicher Lebensraum der Mensch ist. Hunde haben sich so weit an diesen Lebensraum angepasst, dass Welpen bereits ohne vorherige Lernerfahrung den Menschen in Tests als Sozialpartner sogar anderen Hunden vorziehen.
Ihnen diese Möglichkeit zu entziehen, wäre also für Hunde nicht artgerecht. Sie wollen mit dem Menschen in soziale Bindungen eingehen.
Und genau das tun wir mit ihnen auch. Wir gehen mit ihnen eine Beziehung ein im Zusammenleben und, ja, in dieser Beziehung erfüllen sie für uns auch einen Zweck. Umgekehrt erfüllen wir für sie aber eben auch einen Zweck. Wir ernähren und versorgen sie und – am wichtigsten – wir bieten ihnen die soziale Bindung, die sie wollen. Wir erfüllen also einen ähnlichen sozialen Zweck für sie, wie sie für uns.
Und keiner würde sagen, die Beziehung zu Freunden, zu Partner*innen, zu Kindern wäre Ausbeutung, nur weil diese ein emotionales Bedürfnis von uns erfüllen. Deshalb ist für mich die Haltung von Hunden eben auch keine Ausbeutung, sondern eine Partnerschaft und erlaubt ihnen, in ihrem natürlichen Umfeld zu leben. Zugegeben, wir als Mensch tragen hier mehr Verantwortung und regulieren etliche Bereiche ihres Lebens, aber das tun wir bei unseren Kindern auch.
Dabei rede ich natürlich über gute Hundehaltung, in der Wert auf ein solches Miteinander gelegt wird. Wie überall gibt es natürlich auch hier Fälle, wo Hunde ausgenutzt werden; diese sind für mich nicht mit Veganismus vereinbar. In dem Zuge sind auch Qualzuchten nicht mit Veganismus vereinbar, denn hier leiden die Tiere nur, damit sie für den Menschen „schön“ sind.
Diese Argumentation hat den einzigartigen Werdegang unserer beiden Spezies, Mensch und Hund, zur Grundlage und ist daher nicht auf andere Haustiere übertragbar. Wie bereits geschrieben: Hunde sind die einzigen, die den Menschen als Sozialpartner bevorzugen!
Führt Hundehaltung zu mehr Ausbeutung anderer Tiere?
Ein anderes Thema ist dann, ob die Hundehaltung zu mehr Ausbeutung anderer Tiere führt. Das war für mich früher moralisch vertretbar, dass meine Hunde Fleisch essen, da ich dachte, dass sie dieses zwangsläufig brauchen und damit der Part mit dem „praktisch Durchführbaren“ hier zutrifft. Inzwischen ist nachgewiesen, dass Hunde auch vegan gesund ernährt werden können. Damit ist der Part nicht mehr erfüllt, und wer hier genau darauf achten möchte, der sollte seine Hunde eben gesund vegan ernähren, um seine eigene vegane Lebensweise beizubehalten.
Soweit bin ich für meinen ethischen Kompass im veganen Sinne für mich mit der Hundehaltung im Reinen.
Der Beitrag ist lang geworden, der zweite Teil kommt nächsten Monat und beschäftigt sich dann mit der Frage ob Tierschutz oder Zucht!
04.09.2025
